Sarrazin — sinnentleert?
Es geht darum, dass ein arroganter, von sich selbst zutiefst eingenommener, also egozentrischer, wenig begabter Ex-Politiker und Ex-Banker von einer Frau, nämlich der Frau Margot Käßmann, behauptet, sie hätte sein Buch nicht verstanden. Hieran anschließend versteigt er sich zu der Aussage, Frau Käßmann hätte zu tief ins Glas geschaut und könne die Buchstaben infolgedessen nicht zu einem Wort zusammenstellen, somit also dem Inhalt seiner sogenannten Argumente nicht folgen. Soweit so gut. Ist irgendwie auch ganz lustig. Schließlich hat Frau Käßmann ja wirklich einmal zuviel getrunken und sich dabei von der Polizei erwischen lassen. Frau Käßmann scheint mir aber im Gegensatz zu Sarrazin Zivilcourage und Integrität ihres Handelns und ihrer Person zu besitzen. Denn sie entschied sich für den Rücktritt von ihrem Bischofsamt, und das, obwohl sie nicht dazu gedrängt worden war, aus eben der genannten persönlichen Integrität. Sarrazin musste man hingegen lange “bitten”, bis er sich gegen ein “bescheidenes” zusätzliches Entgeld entschloss, den Hut zu nehmen.
Sein Fehlverhalten bestand nicht darin, dass er ein Buch geschrieben hatte, nein, es besteht darin, dass er sich aus einer in der Öffentlichkeit herausragenden Position heraus verstiegen hatte, ohne offensichtlichen Grund Menschen in ihren Grundrechten zu diffamieren. Hinzu kommt, dass Beamte der Bundesbank bei der Recherche geholfen haben. Wenn man jetzt bedenkt, wie ausserordentlich fähig Beamte für diese Tätigkeit sind, gibt das im Nachhinein noch einen zusätzlichen üblen Beigeschmack.
Muss man Sarrazins Buch gelesen haben, um Sarrazins schwachsinnigen Thesen zu beurteilen? Muss man also dazu beitragen, dem Sarrazin ein noch dickeres Bankkonto zu bescheren, als es ohnehin wahrscheinlich schon ist:
Es ist möglich, dass jemand ein Buch schreibt, in dem er die Schönheit der Rose beschreibt, und ich fände diese Passagen, vorausgesetzt sie entsprächen meinem ästhetischen Sinn, einfach schön oder auch, und darauf kommt es uns ja an, objektiv richtig, dann könnte ich dieses Buch als ein Gutes, Schönes, Richtiges finden. Sobald derselbe Autor aber in demselben Buch sich, sei es auch nur am Rande, bemerkte, dass Genetik mit Schönheit oder Intelligenz zu tun hätte, und diese Genetik die einen wertvoller machte als die Anderen, bräuchte ich den Rest des Buches nicht mehr zu lesen, denn diese Aussagen widersprächen meinem Sinn für Freiheit, Gerechtigkeit und an vorderster Stelle von Menschlichkeit.
